20160208

SEA LINE WOMAN – Das erste Musikvideo das die Signatur von iOver trägt


 INPUT
Die A Cappella Gruppe Les Brünettes hat auf ihrem Album A Woman Thing niemand geringerem als Nina Simone eine Hommage gewidmet. Für diesen Song wünschten sie sich nun ein Musikvideo. Lucian Patermann und Anna Maria Münzner (beide iOver) haben es konzipiert und realisiert. Gemeinsam mit einem tollen Team; rund um Kameramann Dietmar Thal, den beiden Make-Up Künstlerinnen Lydia Zänisch und Julika Leiendecker und einigen weiteren tollen Helfer_Innen; haben wir im Weimarer Filmproduktionsstudio Nivre drehen können. Nun hat uns das Online-Magazin Nothing but Hope and Passion eine Plattform gegeben um unsere Arbeit zu präsentieren.


 OUTPUT
Das Video ist nun auf youtube und auf vimeo zu finden.



 VERIFICATION
Außerdem haben die Ladies von Les Brünettes gemeinsam mit Lucian Patermann ein paar Worte zum Video verfasst. Wenn ihr also nach mehr dürstet, lest hier einfach weiter:


Vier weibliche Stimmen singen eine Hommage an Nina Simone. Sie hat diesen Song einst bekannt gemacht: Sea Line Woman, Sealion Woman oder auch See Line Woman. So unterschiedlich die Varianten seines Titels, so vielfältig sind die inhaltlichen Deutungen, die man heute zu diesem alten amerikanischen Folk-Song findet. Nina Simones Fassung See Line Woman bezog sich auf ältere Versionen des Textes, der lange davor schon als gesungene Erzählung durch die Südstaaten der USA kursierte. Ihre minimalistisch gehaltene Fassung erinnert mit monoton stampfenden beats und sich wiederholenden Phrasen an die field-holler Songs der Sklaven. Im Arrangement von Julia Pellegrini greifen Les Brünettes diesen beat auf und lassen vier Stimmen in der ersten Strophe wie eine klingen, erst allmählich fächern sie sich harmonisch auf. Passagenweise verschwimmen die Stimmen miteinander, verlieren ihren Halt und sind dann doch wieder kräftig und bestimmt.

Der genaue Gegenstand des Songs bleibt verborgen. Man kann aber behaupten, dass es im weitesten Sinne um Frauenbilder und den zweifelhaften Umgang mit ihnen geht. Und dabei unweigerlich um Ausbeutungsverhältnisse zwischen den Geschlechtern, zwischen arm und reich, um Prostitution und Einsamkeit. Les Brünettes nehmen diese durchaus irritierenden Facetten auf und geben ihnen mit Hilfe des Videokünstlers Lucian Patermann Bilder. Dabei schlüpfen sie selbst in die Rollen, die sie hinter den Zeilen entdecken und treffen im Video als verschiedene Stereotypen aufeinander. In zum Teil schweißtreibenden Performances fügen sie das Prinzip der Ausbeutung des eigenen Selbst hinzu. Diese Selbstausbeutung stülpt den Rollen letztlich gesichtlose Masken über, wofür das Musikvideo auf ein surrealistisches Zitat im Stile Henry Magrittes zurückgreift: Eine Bildersprache, die darauf verweist, dass auch das schönste Bild nur ein Bild ist. Die Kamera springt zwischen verschiedenen Bildern von Weiblichkeit und beobachtet, wie die Individuen immer wieder durch ihre eigene Maskenhaftigkeit brechen. Obwohl grundverschieden, wirken sie dabei nicht unversöhnlich zueinander. Bevor eine gänzliche Versöhnung oder Lösung jedoch greifbar wird, endet das Stück und bleibt das, was es ursprünglich ist: Rätselhaft und ohne eine Antwort zu geben auf das, was unsere bestehenden Vorstellungen irritiert.



Music: SEA LINE WOMEN - Traditional American Folk Song as sung by Nina Simone
Arrangement: Julia Pellegrini
Album : "A Women Thing" - LES BRÜNETTES (Herzog Records)

Women appearing in the Video: Les Brünettes
Directed by: Lucian Patermann
Director of Photography: Dietmar Thal
Costumes & Production Design: Anna Maria Münzner
Make-Up: Julika Leiendecker & Lydia Zänisch
Assistent Camera: Marcell Friese
Electrician: Janine Müller
Edited by: Lucian Patermann

Also check out:
lesbruenettes.de
nivre.net